Nachbearbeitung von monochromen Bildmotiven

Nachbearbeitung von monochromen Bildmotiven

°beschreibung °:

Wonach ich suchte …

… war ein ganz bestimmter Bildeindruck, der in den bereits von mir in monochromer Darstellung entwickelten Bildmotiven auffällig gefehlt hat.

Der Mangel wurde bereits mehrfach von mindestens zwei fachkundigen Augen bestätigt: die Bilder wirken „flach“, sind also nur wenig kontrastreich und haben deshalb keine Tiefe und können nicht den zumeist bei monochromen Bildern gewünschten dramatischen Eindruck hinterlassen.

Wobei ja auch erst mal nur das Motiv die Dramatik bestimmt.

Bei gewissen Menschen muss man ja nicht unbedingt noch weitere Dramatik hinzufügen, da reicht schon das Dokument OHNE Nachbearbeitung, um dem Betrachter den dramatischen Moment der peinlichen Situation erklärlich zu machen.

Bei Landschaften und Gebäuden sieht die Sache schon wieder etwas anders aus.

Allerdings müssen derartige Motive eine gewisse Grunddramatik haben, um die dann in der Nachbearbeitung nochmal mit hinreichendem Geschick hervorheben zu können.

Das funktioniert natürlich nicht mit allen Motiven und man braucht schon ein mit Geduld zu erlernendes Gespür (sofern man nicht schon ein gewisses Grundgespür sein Eigen nennen kann) für die später gewünschte und mit passenden Mitteln herauszuarbeitende Bildwirkung.

Alles andere ist nur knipsen.

Und DAFÜR braucht man kein sündhaft teures Knipskistenarsenal mit allen nur erdenklichen Glasbausteinen, die man sowieso nie zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit bei hat.

Aber DAS erklär mal denen, die der unumstößlichen Meinung sind, dass ’n Foto nackt aus der Kamera zu kommen hat und dann auch direkt passen muss, ohne noch zeitraubend und nervtötend dran rumzufummeln, und man deshalb einfach nur penetrant draufhalten braucht …

Allerdings muss ich aus der eigenen Erfahrung heraus auch zugeben, dass gewisse (vor allem historische) Linsen auch einen ganz bestimmten Bildlook liefern, den man in einer Nachbearbeitung – wenn überhaupt – nur sehr aufwändig und dann auch nur annähernd reproduzieren kann. Und der Bildeindruck dieser für einen Knipskistenartisten optischen Wunderwerke fällt dann in der Betrachtung einer Bildserie, die aus unterschiedlichen Objektiven stammt, dann doch auf. Aber als Einzelbild OHNE einen entsprechenden Vergleich wirkt das mit einem besonderen Objektiv erzeugte Foto auch nur dann auf den Betrachter, wenn das Motiv eine Aussage transportiert. Oder eine interessante Perspektive zeigt.

Interessant ist hier also das Zauberwort, und das leitet sich ab von Interesse, welches vom Betrachter abverlangt wird.

Und weil Fotos bei den amateurhaften Teilnehmern der asozialen Netzwerke, auf deren fragwürdigen Plattformen sowas gerne um Aufmerksamkeit buhlend zur zumeist nur brechreizerzeugenden Ansicht gestellt wird, reine Geschmackssache sind, wird der Erzeuger des Bildes mangels Interesse am Motiv eher enttäuscht von der allgemeinen Resonanz sein. Da kann der das Foto mit einer vielleicht glücklicherweise geerbten Hasselblad oder einer von der Spasskasse kreditfinanzierten Leica gemacht haben: die technische Herkunft sieht keiner der dort aktiven Katzenbildliebhaber, da zählt NUR das Lieblingsmotiv, vorzugsweise präsentiert im Stil des allseits beliebten Kindchenschemas, das mit kuscheligem Fell, rundem Kopf und großen Kulleraugen zu betören weiss und den hypnotisierten Daumen hochstrecken lässt.

Eine andere Möglichkeit, die Aufmerksamkeit anderer Betrachter buhlend zu erwirken, ist die Wahl eines Motivs, dass ausserhalb der Reichweite der gewöhnlichen Betrachter liegt. Die meisten Fotos, die anerkennend gewürdigt werden, sind nachweislich Bilder aus Gegenden, die ein normaler Mensch nie zu Gesicht bekommen wird. Es sei denn, man nimmt viel Geld in die Hand und folgt irgendwelchen legasthenischen Influenzern zu den abgelegenen Orten dieser Welt, um sie schnell aber dann auch hoffnungslos vermüllt wieder zu verlassen.

Bleibt MIR also nur, mal drüber nachzudenken, wie ich den Bildlook einzelner Fotomotive aus ansonsten gegendbedingt uninteressanten heimischen Nahbereichsgefilden in der monochromen Darstellung dann etwas aufpeppen kann.

… und was ich gefunden habe …

… um das nächste Level in der monochromen Darstellung zu erreichen.

An anderer Stelle hatte ich bereits über den Vergleich der Bildwirkung von einer rein monochrom aufnehmenden Kamera und einer Farbbildkamera lamentiert mit der laienhaften Erkenntnis, dass ich KEINE sündhaft teure Monochrom-Knipskiste brauche, weil ein in Graustufen konvertiertes Farbbild für meine Zwecke zwar etwas umständlicher, aber dann doch praktikabler ist.

Was vorrangig nicht zuletzt den Kostengründen geschuldet ist. Und der Tatsache, dass ich bei weitaus späterer Nachbetrachtung einzelner Farbfotos aufgrund des sich stetig ändernden Geschmacks meiner Ansicht der Dinge dann doch schon mal den Eindruck bekomme, dass die auch in s/w funktionieren könnten.

Und zwei Versionen eines Motivs sind besser als gar keine.

Es fehlt an Tiefe

Die mir auffällig gewordenen Motive, die in monochromer Darstellung gezeigt werden, punkten alle mit passendem Kontrastreichtum und dem damit einhergehenden plastisch wirkenden Tiefeneffekt. Die Wahl des richtigen Standorts und der passenden Perspektive und ein interessanter Vordergrund vorausgesetzt, denn ein Foto stehend vom Strand aus, nur um die untergehende Sonne zu knipsen, erzeugt allein KEINE Tiefe im Bild, so die einhellige Erfahrung einschlägiger Knipskistenartisten.

Diese einschlägig erfahrenen und dabei mehr oder minder erfolgreich aktiven Knipskistenartisten wissen also – ebenfalls mehr oder weniger lehrreich – von ihren Bearbeitungstechniken zu berichten, um andere an ihren fundierten Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Die in dieser Richtung leider nur rar gesäten Quellen des Erfolgs muss man sich dann aber schon selbst mühsam und zeitraubend herausfiltern. Das ist nix für schwache Nerven, die ohnehin schon am Ende ihrer Blütezeit sind.

Der aufmerksame und wissbegierige Knipskistenamateurdompteur erhält also erstmal nur grundlegende aber dennoch ansatzweise hilfreiche Hinweise für eine hoffentlich auch bei seinen Fotos beeindruckende Motivdarstellung – sofern das Motiv das auch hergibt.

Schritt für Schritt

Ich habe mir aufgrund meiner mühsam gewonnenen Erkenntnisse dann mal wie folgt die erforderlichen Bearbeitungsschritte notiert, die den von mir gewünschten Bildlook liefern können.

Auch hier gilt: nur die Wahl des Motivs und Übung machen den Meister.

Ich fange deshalb auch erst mal nur mit dem Wissen des Lehrlings an.

Originalaufnahme der realen Szene:
2026-03-06 – Haltern Hullern
– Hullerner Stausee – Heiligenhäuschen

 

Schritt 1 – das Motiv entsättigen

Wie schon erwähnt, funktioniert nicht jedes Motiv in monochromer Darstellung.

Zumindest nicht SOFORT, um als „Kunstwerk“ erhoben werden zu können.

Man betrachte also seine Fotosammlung und stelle sich die Frage: geht das auch in Graustufen ?

Ein erster Eindruck über die Bildwirkung in Graustufen bekommt man, wenn man das Foto einfach mal eben komplett von seiner Farbe befreit, also nur entsättigt. Dabei entsteht noch nicht der für monochrome Bilder typische Bildlook, hilft aber für die erste Beurteilung und die ggfls. dann nachfolgende Bearbeitung.

Wer bereits ein höheres Level erreicht hat, sieht sich in der erfreulichen Lage, bereits bei der Aufnahme des in Farbe aufgenommenen Motivs zielführend zu beurteilen, ob das in der monochromen Darstellung gezeigt werden kann.

Bei meinem unten gezeigten Bearbeitungs-Beispiel hatte ich tatsächlich schon die Vision, wie das Heiligenhäuschen in s/w aussehen soll.

Schritt 2 – Konvertierung in den monochromen Farbraum

Das Wort Farbraum trifft nur die technische Begrifflichkeit. Graustufenbilder haben keine Farbe, dafür eine Unmenge an feinen Abstufungen von Grautönen, die sich aus den Bildpunkten ergeben, die ursprünglich farblich dargestellt wurden. Und DAS wird technisch auch als Farbraum bezeichnet.

Die Konvertierung in Graustufen ist also keine einfache Entsättigung, also nur die Wegnahme der Farbinformationen, sondern eine Umwandlung von farbigen Pixeln in komplementär passende Graustufen mit den entsprechenden Helligkeitswerten.

Sofern das Foto also in Farbe aufgenommen wurde, wird man auch bei der Konvertierung in Graustufen immer noch die Möglichkeit haben, an den Reglern für die ehemals enthaltenen Farben zu spielen, um damit deren Helligkeitswerte nach persönlichem Gusto zu manipulieren.

Ein dunkel wirkender grüner Rasen kann dadurch zu einer strahlenderen Fläche werden.

Und leuchtende orangefarbene Gesichtsfarben oder ein blauer Himmel können dramatischer wirkend abgedunkelt werden.

Hat man die groben Entwicklungs-Anpassungen erledigt und das jetzt monochrom erscheinende Motiv wirkt dadurch schon mal ganz passabel, dann gehts ans Eingemachte und man muss Photoshop oder eine andere Bildbearbeitungsanwendung mit entsprechenden Ebenenfunktionen bemühen.

Vorläufiges Ergebnis der monochromen Nachbelichtung:
2026-03-06 – Haltern Hullern
– Hullerner Stausee – Heiligenhäuschen

Schritt 3 – PS Filter „unscharf maskieren“

Die Übergabe an PS erzeugt den Importdialog, ob man den Farbraum „Monochrom 1.8“ behalten möchte, oder den Arbeitsfarbraum wählen will. Ich wähle den Arbeitsfarbraum „Monochrom 2.2“

Hat man in PS eine Ebenenkopie der importierten Ursprungsdatei angelegt, wird die erzeugte Ebene mit Topaz Photo AI erst mal – falls nötig – dezent entrauscht und sachte geschärft.

Im Reiter „Filter“ findet sich unter den Scharfzeichnungsfiltern der Filter „unscharf maskieren“.

Dessen Einstellungen gilt es je nach gewolltem Effekt bilddienlich auszuprobieren. Auch hier gilt: weniger ist manchmal mehr, und DAS lässt sich gut über die aktive Vorschau beurteilen. Der persönliche Geschmack ist auch hier entscheidend.

Mit dem Regler „Stärke“ werden die Bildpixel leicht verschoben, was zu subtiler Kantenschärfe und deutlicherem Kontrast führt. Ein Wert um die „60“ liefert ein deutliches Ergebnis.

Mit dem Regler „Radius“ wird die Kantenausprägung in den dunklen Bildbereichen definiert. Je größer der Wert, desto höher der Kantenkontrast.

Der „Schwellenwert“ bestimmt, wie hart oder wie weich schlußendlich der erhöhte Kontrast wirken soll. Ein geringer Stufenwert ezeugt einen „scharfen“, also harten Kontrast. Je höher der Stufenwert, desto weicher wirkt die Kontrasterhöhung.

Schritt 4 – PS Ebene „Fülloptionen“

Hat man die Fülloptionen der Ebene aufgerufen, befindet man sich direkt in den erforderlichen Mischoptionen.

Hier ist nur ein Regler interessant:

Unter Mischen, wenn: Grau (Optionsfeld)

Diese Ebene (Schieberegler) Wert einstellen. Bei mir funktioniert ca. 190 ganz gut, um zu krass wirkende hell strahlende Spitzlichter etwas zu dämpfen.

Schritt 5 – PS Aktion „Dodge & Burn“

Ich hatte mir vor geraumer Zeit die PS-Aktion aus dem Netz gesaugt. Die war auch direkt passend voreingestellt, um zielführend mit den Manipulationen zu hantieren.

Vermeintlich wissende Quellen möchten den Eindruck vermitteln, es handele sich bei dieser Technik um ein Kinderspiel. Das mag sein, wenn man an manche Bilder besser ein Kind dran gelassen hätte.

Der Einsatz dieser sehr komplexen Art von Bildteilmanipulation ist aber einerseits sowieso nur durch sehr viel Übung und Erfahrung beherrschbar, andererseits IMMER seeeehr zeitaufwändig, weil man mit dem Pinselwerkzeug dezent und gezielt an Motivelementen rummalen muss, und DAS dann auch nur ganz behutsam. Und immer wieder muss man auch die Original-Datei einblenden, um zu kontrollieren, dass man es mit der Bildwirkung nicht unnötig geschmacklos übertreibt.

Und DAS ist auch nix für (alters)schwache Nerven …

Ergebnis des Feinschliffs:
2026-03-06 – Haltern Hullern
– Hullerner Stausee – Heiligenhäuschen

Schritt 6 – Kopie der PS Datei und Rückkonvertierung in den RGB Farbraum

Die Rückkonvertierung ist notwendig, um die nachfolgenden Filter anwenden zu können, die im monochromen Farbraum (Graustufenbild) nicht aktivierbar sind.

Schritt 7 – NIK Filter: Silver Efex und Analog Efex

In Silver Efex hab ich eine Voreinstellung erarbeitet, die als Grundlage für die ähnlichkeitsnahe Darstellung einer historischen Leica Analogkamera dienen soll.

Über diese Ebene wird dann eine weitere von mir erarbeitete Voreinstellung von Analog Efex gelegt, der das Bild mit einem Filmtypen anzeigt, mit dem Ergebnis                                 siehe hier ↓

2026-03-06 – Haltern Hullern
– Hullerner Stausee – Heiligenhäuschen


°ort °

Vor Ort.


°meinung °

Bevor ich DEN Aufwand betreibe, suche ich mir VORHER das passende Motiv aus. Und da gibt es nicht viele, die dazu geeignet sind, dass ihnen eine derartige Nachbelichtung gegönnt werden sollte.


°bilder °:

Der Vergleich der beiden monochromen Bilder:
Before imageAfter image

 

Der Vergleich der finalen Graustufenversion mit dem Leica Look:
Before imageAfter image


°navigation zu weiteren inhalten°

… man könnte auch Navigationshilfe drauf sagen. Ab hier geht’s irgendwie weiter …


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