Sprungliste
°beschreibung °:
Graustufe vs. Schwarzweiss
Auf der Suche nach dem Unterschied findet man im Internetz reichliche Hinweise auf das Genre der Schwarzweiss-Fotografie.
Aber gibt es tatsächlich einen Unterschied ?
Wie an anderer Stelle bereits bemerkt, liessen die Anfänge der Fotografie aus technischen Gründen keine andere Darstellung zu, als eben nur die farblose Fotografie einer Szene. Die einzige Farbe, die ein Foto damals hatte, war eine bei der Entwicklung des Bildes aufgrund der verwendeten Chemikalien gewollte Einfärbung. Sepia oder Cyanotypie waren seinerzeit (um 1900) die gängigen Grundfärbungen.
Grundsätzlich ist (heutzutage) ein (zumeist digitales) Foto in schwarzweisser Darstellung ein grundsätzlich farbentsättigtes Foto. Die Entsättigung findet im Normalfall in der digitalen Nachbearbeitung des Fotos, oder auch in der Kamera statt. Und ist bei der Nachbearbeitung hinsichtlich des Aufwands nicht zu unterschätzen, was ambitionierte Knipskistenartisten dazu treibt, das SW-Foto direkt aus einer speziellen (und deshalb auch vergleichsweise sündhaft teuren) Kamera kommen zu lassen.
Mich hat es während meiner näheren Beschäftigung mit dem Genre aber dann doch interessiert, wo genau denn der definierte Unterschied liegen soll, zwischen einem Schwarzweiss- und einem Monochrom-Foto.
Schwarz-Weiß
ist nichts anderes als die Darstellung aller verfügbaren Farbabstufungen, nur ohne Farbe. Weil darzustellende Farben nicht nur die RGB-Infos sondern auch Helligkeitswerte haben, werden die entsprechenden Farbtöne schlußendlich in Grautönen dargestellt.
Das ist dahingehend interessant, weil diese Helligkeitsunterschiede der zuvor dargestellten Farbbereiche jetzt quasi nur Kontraststufen sind.
Die es aber hinsichtlich ihrer Wirkung trotzdem in sich haben, wenn man dann mal bei der Nachbearbeitung an den entsprechenden Parametern feilt.
Verändert man also die Helligkeitswerte von unterschiedlich hellen Farbbereichen, die im Originalbild alle die gleiche Farbe (z. B. grün) hatten, paramterisch sehr hoch oder auch sehr niedrig, wird das Bildergebnis sehr kontrastreich und bestenfalls ohne erkennbare Graustufen.
Sowas ist dann ein Schwarzweiss-Bild.
Monochrom
Wird ein Foto nur von den Farbinformationen befreit, also komplett entsättigt, sodass es seine ursprünglichen Farbkontrastinformationen, also die gesamten Helligeitswerte behält, kann man von einem monochromen Bild sprechen.
Weil auf digitalen Knipskisten der Sensor aber mit 3 Schichten für die benötigten und für das menschliche Auge gemischten Farbinfos arbeitet, werden bei näherer Betrachtung des Fotos dann nach der Umwandlung in Schwarzweiss auch die dadurch entstehenden Wölkchen sichtbar. Ein blauer Himmel z. B. erscheint auf einem Farbfoto in all seinen blauen Nuancen und anderen enthaltenen augenscheinlichen Farben blau und wirkt vermeintlich homogen. Wird das digitale Farbbild aber komplett entsättigt, können die unterschiedlichen Kontraste der einzelnen Farbbereiche, die der RGB-Sensor erfasst und gespeichert hat, nicht entsprechend angegelichen werden, und die einstmals homogen blau erscheinende blaue Fläche wirkt entsättigt irgendwie wolkig.
Mit den eigens dafür hergestellten Monchrom-Kameras von Leica und Pentax wird dieses Luxusproblem, das auch nur für Luxusartisten ein Rolle spielt, beseitigt, weil der Sensor nicht wie üblich die RGB-Infos speichert, sondern die Helligkeitswerte, und das in allerfeinsten Nuancen, ohne die bei der Schwarzweis-Fotografie zu Recht unerwünschten wolkigen Flächen zu erzeugen. Die allerdings nur bei der Betrachtung von physischen großformatigen Medien oder in der 200%-Ansicht auf einem hochauflösendem Monitor sichtbar werden.
Ein monochromes Bild ist also auch ein Schwarzweiss-Bild.
Nur eben mit den entsprechend viel feineren Helligkeitsabstufungen in den Grautönen.
Ein Farbbild in Graustufen umwandeln ?
Sofern Geld keine Rolle spielt, sollte man als qualitätsbewusster Knipskistenartist dann wohl doch lieber auf eine monochrome Kamera zurückgreifen.
Denn ein Farbfoto in der Nachbearbeitung als Schwarzweiss-Bild umzuwandeln ist in jedem Fall vergleichsweise mühsam und zumeist von nur zweifelhaftem Erfolg gekrönt.
Denn man muss ja nicht nur die bei Farbfotos üblichen Standaroperationen am Bild wirken lassen, sondern danach zudem dann ans Eingemachte gehen, um den gewünschten Schwarzweiss-Effekt zu erzielen.
In ACR (Adobe Camera RAW) bzw. Photoshop kann man für die erste Inaugenscheinnahme und Wirkung des Bildes entsprechende Voreinstellungen bemühen. Auch Filterkollektionen (z. B. die NIK-Collection Silver Effex) verschaffen einen ersten Eindruck für das gewünschte Resultat.
Gemeinsam ist ALLEN Presets, dass die für das jeweilige individuelle Bild dann noch mal optimiert werden müssen, weil out-of-the-box KEIN Preset wirklich auf Anhieb rockt.
Blöd dabei ist nur, dass beim Reglerspielen die Zeit vergeht. Und dann auch das Gespür für die eigentlich angedachte Bildwirkung.
Allerdings verhält sich das mit ALLEN Basteleien so, die man auf ein Foto anzuwenden gedenkt. DAP ist auch so’n Kanditat, der einem nicht immer nur ansehnliche Ergebnisse beschert, sondern auch Lebenszeit klaut.
Oftmals verrennt man sich dann auch in den Parametern. Und jede kleine Nuance kann schlußendlich zu Gedeih oder Verderb führen.
Bis ein Foto nach eigenem Gusto vermeintlich ansehnlich erscheint, vergeht also VIEL Zeit, wenn man mit Liebe zum Detail hantieren möchte. Was anderen Betrachtern erfahrungsgemäß aber NICHT auffällt, wieviel Zeit, Arbeit und Liebe man in ein Foto gesteckt hat. Bei Amateuren hat das zumeist auch ursächllich mit dem Motiv zu tun, was sich in der Regel weder für eine Umwandlung in Graustufen lohnt, noch überhaupt einer lobenden Erwähnung bedarf, weil die in den asozialen Medien kursierenden und bedenklich inflationären Katzen- und mit gruseligem Essen eingedeckten Fresstischbilder beim Betrachter nur ein angwidertes Stirnrunzeln auslösen.
Ein Farbbild in Graustufen umwandeln KANN man also machen. Dann aber mit den technisch bedingten Abstrichen, die sowohl durch den digitalen Farbsensor der Knipskiste als auch durch die digitale Bildnachbearbeitung entstehen. In vielen Fällen wird ein Farbfoto – vor allem durch den unbedarften Einsatz der HDR-Technik bzw. -Entwicklung – ohnehin nur verschlimmbessert.
Beispiel: die Wirkung der Presets in einzelner Ansicht
ACR hat u. a. zwei nennenswerte Presets an Bord, die ich an einem Motiv-Beispiel mal ausprobiert und gegenübergestellt habe, um mir selbst mal im Vergleich zu veranschaulichen, wo denn die Unterschiede liegen.
Das Motiv im Vordergrund ist ein im Bild horizontal verlaufendes angerostetes Rohrgerüst einer sitllgelegten Fernheizungsleitung auf dem ehem. GAVEG-Gelände (heute von offizieller Seite im Interesse ausländischer Touris klangvoll als Hibernia Gewerbepark bezeichnet). Im Hintergrund ist der blaue wolkenlose Himmel und noch unbelaubte Bäume.
Preset: Balancer

Rohrensemble in mehreren Variationen –
kontrastoptimiertes Farbfoto, ähnlich dem Original
Preset: Monochrom 3

Rohrensemble in mehreren Variationen –
Monochrome Darstellung in wahrnehmbaren Graustufentönen und deutlichen Kontrasten
Preset: B&W Photographic

Rohrensemble in mehreren Variationen –
ein Schwarzweiss-Bild wie es aus der digitalen Knipskiste zu erwarten ist und annährend in fotografischer Manier – in diesem Fall aber nur in Graustufen – darstellen soll
Preset: B&W Realistic

Rohrensemble in mehreren Variationen –
mit diesem Preset soll eine halbwegs realitätsnahe Darstellung der Szene in S/W erfolgen
Beispiel: die Bilder im direkten Vergleich




Es gibt also KEINEN Unterschied in S/W
Der Begriff „Schwarzweiss“ ist gleichzusetzen mit „Monochrom“.
Beides drückt aus, dass Farbe nicht vorhanden ist.
Der einzige aber alles entscheidende Unterschied besteht in der (hoffentlich dann auch bildaussagefördernden) Kontrastierung der einzelnen Graustufen.
Dann hätten wir das auch geklärt.
°ort °
Überall da, wo man Farbe als überflüssig empfindet …
°meinung °
Ich habe bereits an anderer Stelle meine Meinung zu diesem Thema verfasst und belasse es aufgrund der für den normalen Betrachter nicht sichtbaren Detailnuancen, die nur bei genauem Hinsehen im Kontrast der Graustufen zu finden wären, bei der entsprechenden Nachbearbeitung.
°nachtrag °
Kein Nachtrag geplant.
°bilder °:
Siehe oben: Beispiele



