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°beschreibung °:
Das Problem mit der Beugungsunschärfe bei geschlossener Blende
In der Vergangenheit hatte ich nie das Bedürfnis gehabt, der ominösen Beugungsunschärfe eine besondere Beachtung zu schenken.
Doch heute wurde ich bei Spielerereien mit der K-3 III und dem 50mm f1,8 dann doch stutzig:
denn die von einschlägig anerkannten Flachleuten viel diskutierte Beugungsunschärfe bei geschlossener Blende ist tatsächlich ein Thema und macht sich sogar unangenehm sichtbar.
Eigentlich war der Plan, heute das dicke Stativ mit dem Getriebeneiger mal wieder brauchbar einsatzfähig zu machen, denn die dunklen Tage werden es erfoderlich machen, die Kombi mitzuschleppen, um vernünftige Fotos hinzubekommen. Aus der Hand die langen Belichtungszeiten zu bewältigen wird nicht funktionieren, auch nicht mit den mittlerweile lichtstärkeren Luxuslinsen, die ich mir zwischenzeitlich gegönnt habe.
An dem Getriebeneiger hatte ich neulich schon mal verzweifelt rumgebastelt, weil das sündhaft teure Scheißding sich bei den Motion-Timelapse als enorm zickig erwies. Der ließ sich zwar justierend kurbeln, begann dann aber fortschreitend unpräziser zu reagieren und kippte dann in der vertikalen Achse sogar irgendwann von selbst nach unten und machte so einige Bildreihen unbrauchbar. Meine Reparaturversuche waren danach nur bedingt zielführend, weil die Frikition zwar strammer zu stellen ist, die Federspannung für die Schnellverstellung aber nicht. Und genau DIE ist es, die den Betrieb des Neigers zum Nervenkrieg werden lässt, weil die Federspannung nicht mit der Friktion harmoniert. Da kann man einstellen und fetten und was weiss ich noch basteln und tüddeln – das Gehäuse ist gebaut wie ein deutscher Panzer, aber die Verstelltechnik ist nur italienisches FIAT-Design und die Bedienung artet schlußendlich zum unbefriedigenden und mal so gar nicht zielführenden Fiasko aus.
Wenn man weiß, woran’s hapert, könnte man vielleicht damit leben. Aber dafür war das Ding dann doch zu teuer. Zumal ich den Kopf (in 2019) ja schon mal reklamiert hatte und Amazon den freundlicherweise unkompliziert umgetauscht hatte. Was am Ende des Tages dann doch zu nix führte, weil das gleiche Problem mit dem neuen Kopf dann irgendwann wieder auftrat.
Aber da muss ich getz durch, denn für’n neuen Getriebeneiger will ich nicht mehr soviel Knatter ausgeben. Ausserdem hat sich herausgestellt, dass die handelsüblichen Produkte von Neewer, K&F, Benro und Konsorten alle an den gleichen Krankheiten leiden, wenn man damit ’ne DSLR und ’ne mittelleichte Optik bewegen will. Für ’n neumodernes spiegelloses Leichtgewichtspielzeug reicht wohl die Verstellfunktion, und die Leute, die derartigen Technikschnickschnack um den Hals tragen sind damit auch glücklich. Der ambitionierte Amateuer hat jedoch andere Ansprüche, kann sich aber nicht die Luxusklasse von NOVOFLEX leisten, denn DIE Brüder sind ja mal richtig abgehoben mit ihrem Plunder und rufen Preise auf, die jenseits dessen liegen, was man noch nicht als Wucher wahrnimmt.
Der Versuchsaufbau des Spielgeräts
Nachdem ich also erstmal wieder alle Veschlüsse am Stativ eingestellt habe, damit das nicht unter Last zusammensackt, und auch die Verstellfunktion des Getriebeneigers erfolglos in den Griff bekommen wollte, habe ich spaßeshalber mal die Mittelsäulke umgedreht, um mit der K-3 III bodennah zu fotografieren. Das geht auch nur dann, wenn man die Kamera mit der Mobilbimmel und Image-Sync fernsteuert. Dann aber auch besonders gut, weil man ja über den Smartphone-Bildschirm die volle Kontrolle über die Perspektive hat. Die muss natürlich am Getriebeneiger eingestellt werden. Mit einem Kugelkopf kann man sowas NICHT mal eben zielführend justieren. Kann man schon, aber dann wird’s halt kacke.
An der K-3 III hatte ich vom Vortag noch das SMC Pentax-DA 50mm F1.8 (unter liebhabenden Kennern auch bekannt als PlasticFantastic) belassen. Das Objektiv ist mit f1,8 das lichtstärkste in meiner Sammlung. Aber bei Offenblende ist der Schärfebereich im Nahbereich nur noch so schmal, wie eine Rasierklinge dünn ist. Dann aber auch so scharf wie die.
Die ersten Experimentalfotos entstanden im Labor mit Offenblende, und alle bilden einen Nahbereich von etwa 50cm bis max. 100cm ab und sollen hier nicht weiter die Ansicht langweilen.
Den Schärfepunkt habe ich über die Fernbedienungsfunktion auf dem Smartphone-Display ausgewählt. Alles davor und dahinter verschwimmt dann auch direkt in Unschärfe. Aber auf dem Punkt ist es scharf, sehr scharf sogar, und das bei Offenblende.
Vergleich: f1,8 vs. f22
Links f8 – rechts f22
jeweils in voller Größe


und hier ein 100% Crop vom ausgewählten Schärfepunkt (die Lasche am Reissverschluss)


Die Bilder hier sind natürlich ziemlich klein.
Internetzschnipsel halt.
Und vom normalen Betrachter werden die eklatanten Schärfeunterschiede wohl nicht als so drastisch empfunden.
Der ambitionierte Knipskistenartist sieht das allerdings etwas anders, was ja auch seinem Faible entspricht (anders wär auch schlecht, denn DANN könnte man auch mit ’nem Händy oder ’ner Polaroid Sofortbildknipse glänzen).
Mit Offenblende bekommt man aber nur auf den anvisierten Schärfepunkt (in diesem Fall die mittlere bzw. rechte Lederlasche am Reissverschluss) die gewünschte Detailschärfe, alles andere wird direkt unscharf abgebildet. Das geht schon mit dem Reissverschluss selbst los und betrifft dann alles, was ausserhalb der sehr engen Schärfeebene liegt und deshalb vor allem den weit entfernten Hintergrund. Beugungsunschärfe ist natürlich nicht erkennbar, dafür aber ein deutlicher blauer Farbsaum am Reissverschluss (den man notfalls in der PP entfernen kann).
Die macht sich aber dann bei Blende 22 bemerkbar. In der Nahansicht des Schärfepunkts wird deutlich, dass durch die Lichtbeugung der geschlossenen Blende das Licht „verbogen“ wird, und dadurch vor allem die Lederstruktur im Vergleich zur Schärfe bei Offenblende auffällig matschig wirkt. Auch das Textil wirkt nicht mehr so feinfaserig. Dafür ist dann aber durch die erweiterte Schärfeebene die rechte kleine Tasche schärfer als bei Offenblende.
°ort °
In den residenzialischen Experimental-Gemächern
°meinung °
So wird klar, dass man als Knipskistenartist durchaus mit diesem Effekt spielen kann, wenn es denn zum Motiv und zum Thema und zur Bildaussage passt. Die geschlossene Blende sollte man also vorsichtig benutzen. Alles andere dürfte mit der Stacking-Technik wohl besser abzubeilden sein, wenn man mehr Schärfeebene benötigt, ist dann aber auch vor allem mit deutlich mehr Arbeit in der PP verbunden.
°nachtrag °
Kein Nachtrag geplant.
°bilder °:
Siehe oben.



